12.1.43

Shadow of a Doubt (Alfred Hitchcock, 1943)

Im Schatten des Zweifels

»I have a feeling that inside you there’s something nobody knows about ... something secret and wonderful. I’ll find it out«, sagt die junge Charlie (Teresa Wright) zu ihrem geliebten Onkel Charlie (Joseph Cotten). Sie hat recht, es gibt ein Geheimnis, aber es ist nicht wundervoll, und als sie es herausfindet, bricht ihre heile Welt zusammen ... Der attraktiv-sinistre Held von Alfred Hitchcocks beängstigend realistischem Familienthriller, das legt die Erzählung schnell klar, ist ein gesuchter Frauenmörder (der sich auf die – von Dimitri Tiomkin musikalisch variantenreich umschriebene – Strangulierung von »lustigen Witwen« spezialisiert hat). Auf der Flucht vor den Verfolgern, kriecht der mehrfache Killer im kalifornischen Heim seiner älteren Schwester unter. Die Newtons, Vater, Mutter und drei Kinder, average people from Everytown, heißen ihren Gast herzlich willkommen, doch Hitchcock zeigt den Besucher stets umwölkt von dichten Dampfschwaden – die von Zigarren aufsteigen, die aus dem Schornstein einer Lokomotive oder aus dem Auspuff eines Autos quillen –, womit er auf die teuflische Natur des charmanten Besuchers und auf die unweigerlich hereinbrechende Erkenntnis von der Existenz des Bösen verweist. »There’s so much you don’t know, so much«, sagt Onkel Charlie zur seiner Nichte, die sich ihm stets wie ein Zwilling verbunden fühlte. Am Schluß des mit ebenso viel emotionaler wie künstlerischer Intelligenz realisierten Films weiß die junge Charlie einiges mehr, ihre Jugend ist abrupt zu Ende gegangen, und mit dem coming of age (and knowledge) hat sie ihre (seelische) Unschuld verloren.

R Alfred Hitchcock B Thornton Wilder, Sally Benson, Alma Reville, Gordon McDonell K Joseph Valentine M Dimitri Tiomkin, Franz Lehár A John B. Goodman S Milton Carruth P Jack H. Skirball D Joseph Cotten, Teresa Wright, Macdonald Carey, Patricia Collinge, Henry Travers, Hume Cronyn | USA | 108 min | 1:1,37 | sw | 12. Januar 1943

# 1043 | 12. Januar 2017

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